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Aktuare schätzen Kapitalanlagerisiken ein. Das erfordert vorausschauendes mathematisches Denken.
Faulhabers Karriere begann 1981 als Referent in der Mathematischen Abteilung der Allianz Lebensversicherung. Seit 1998 ist er Leiter des Fachbereichs Mathematik und Produktionsentwicklung sowie Verantwortlicher Aktuar der Allianz Lebensversicherung und der Deutschen Lebensversicherung. Zudem ist er Mitglied des Vorstands und Verantwortlicher Aktuar der Allianz Dresdner Pensionsfonds AG.
Marcus Faulhaber gehört zu jenen Menschen, zu denen sich in Schulzeiten bei Matheklausuren seine Mitschüler vermutlich hingezogen fühlten. Ein Zahlenmensch eben. Bis heute bewegt sich der promovierte Mathematiker in der Welt der Zahlen, hinterfragt und analysiert sie. Faulhaber ist seit vielen Jahren Aktuar bei der Allianz-Lebensversicherung. Er denkt langfristig, quasi über Jahrzehnte hinweg. Und wir, die Besitzer von Versicherungen jeglicher Art, verlassen uns auf seine Berechnungen.
Mathematisches Talent gefragt
Als Aktuar sorgt er dafür, daß die Kunden seines Unternehmens nach jahrzehntelangem Einzahlen der Versicherungsprämie beim Ablauf auch die vereinbarte Summe ausbezahlt bekommen. Das erfordert vorausschauendes Denken immer im Hinblick auf Beiträge und Leistungsgarantien, die mit den Kunden in der Regel für die Dauer von vielen Jahren festgelegt wurden. Faulhaber hat als verantwortlicher Aktuar für sein Unternehmen Verpflichtungen in schwindelerregender Höhe übernommen. Auf rund 220 Milliarden Euro beliefen sich jüngst die Leistungen, die Allianz Leben ihren Kunden vertraglich garantiert. Die Aufgabe des Aktuars ist es, sein Unternehmen auf die einzuhaltenden Zusagen hin zu überprüfen. Seit der Liberalisierung des Versicherungsmarktes 1995 sind alljene Versicherungen, die langfristige Leistungsgarantien abgeben, dazu verpflichtet, einen Aktuar zu bestellen. Faulhaber ist einer von mehr als hundert verantwortlichen Aktuaren der deutschen Versicherungswirtschaft. Der 1953 in Göppingen geborene Mathematiker und Physiker charakterisiert seine Aufgaben als vielschichtig und herausfordernd. "Nicht Zahlenjongleure oder Gralshüter sind gefragt - wichtig ist es, die unternehmerischen Risiken, auch die langfristigen, frühzeitig zu erkennen und alle beteiligten Unternehmen so zu beraten, daß Lebens- und Rentenversicherungen eine sichere Anlageform bleiben."
Risiken einkalkulieren
Um ihre Aufgabe erfüllen zu können, kontrollieren Aktuare laufend die Finanzlage des Unternehmens. Sie sorgen für Rückstellungen in ausreichender Höhe und prüfen, ob genügend Eigenmittel vorhanden sind, um die übernommenen Verpflichtungen erfüllen zu können. Die Ergebnisse seiner Überprüfung testiert der Aktuar in der Bilanz und faßt sie in seinem jährlichen Erläuterungsbericht über die finanzielle Situation des Unternehmens zusammen. "Die Kunst des Aktuars ist, das Spannungsdreieck zwischen unternehmerischen Risiken, Eigenmitteln und Garantien für die Kunden in der Balance zu halten", beschreibt Faulhaber seine tägliche Arbeit. Seine besondere Aufmerksamkeit gilt den biometrischen Risiken, zum Beispiel den Annahmen zur Lebenserwartung und dem Kostenrisiko, denn diese Risiken werden in die Tarife einkalkuliert. Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit des Aktuars besteht auch darin, die Kapitalanlagerisiken einzuschätzen und sicherzustellen, daß zukünftige Kapitalerträge zur Finanzierung der garantierten Leistungen ausreichen. Rückstellungen, Risiken, Überschußbeteiligungen - von den Einschätzungen des verantwortlichen Aktuars hängt vieles ab. Für das Unternehmen und für den Versicherungsnehmer. Auch wenn der Aktuar keine ausführenden Vollmachten besitzt - das letzte Wort hat schließlich der Vorstand - seine Verantwortung ist hoch.
Mathematische Grundausbildung ein Muss
"Für diese Aufgabe ist ein gewisses Maß an Unabhängigkeit nötig. Der Aktuar darf sich nicht von den Vorstellungen Dritter leiten lassen", beschreibt Faulhaber die Anforderungen. Eine Einschätzung, die Michael Steinmetz, Geschäftsführer der Aktuarsvereinigung nur bestätigen kann. "Die Ausbildung zum Aktuar ist hart. Aktuare arbeiten später immerhin als Risikomanager. Wer sich in diesem Beruf keinen Überblick über die tatsächliche Faktenlage verschafft oder sich sonstwie beeinflussen läßt, hat sich selbst diskreditiert."
Ohne Fachwissen und fundierte Prognosen über zukünftige Entwicklungen ist diese Tätigkeit nicht zu bewältigen. An der umfassenden Modellierung der unternehmerischen Risiken arbeiten bei der Allianz Leben rund 400 Mathematiker. Einige davon haben sich als Aktuar qualifiziert. Die anspruchsvolle Zusatzausbildung umfaßt Prüfungen in Bereichen der Versicherungs- und Finanzmathematik. Als theoretische Vorbildung muß der künftige Aktuar über einen Studienabschluß verfügen, der mindestens eine mathematische Grundausbildung beinhaltet. Die berufsbegleitende Ausbildung kann erst nach acht Jahren einschlägiger Berufspraxis abgeschlossen werden.
Bei einigen versicherungsmathematischen Studiengängen kann ein Teil der Aktuarausbildung schon während des Studiums absolviert werden. Mit Berufserfahrung und besonders mit der Zusatzausbildung Aktuar stehen ihnen gute, zum Teil hervorragend dotierte Positionen mit ausreichend Entwicklungschancen offen. Aktuare arbeiten in Versicherungsunternehmen und Versorgungseinrichtungen, bei Banken, Bausparkassen und Beratungsunternehmen sowie für Behörden und Ministerien. Besonders Mathematiker finden im thematisch breiten Feld der privaten Vorsorge interessante Möglichkeiten für den Berufseinstieg. Faulhaber: "Die Aufgaben für Aktuare sind am Puls des Unternehmens angesiedelt. Und die Bedeutung umfassend ausgebildeter Aktuare für die Unternehmen wird weiter wachsen."
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