Vielen Bankern fehlt das letzte Verständnis für die Sorgen ihrer Geschäftskunden. Ein
befristeter Einsatz als Interim Manager in einer anderen Branche kann Abhilfe schaffen.
Da helfen weder MBA noch Führungskräfte-Training: Vielen Bankern, die im Laufe ihrer
Karriere nur die Uni und das eine oder andere Kreditinstitut von innen gesehen haben, fehlt
etwas, das so mancher Geschäftskunde schmerzlich vermisst – unternehmerische Erfahrung
aus erster Hand. Die Probleme, Sorgen und Wünsche des Gesprächspartners auf der anderen
Seite des Schreibtisches bleiben so meist eher theoretischer Natur.
Was beim Umgang mit kleinkalibrigen Kreditbittstellern nicht weiter ins Gewicht fällt, kann
im Wettbewerb um lukrative Großkunden durchaus entscheidend sein. Gerade bei
erfolgreichen, inhabergeführten Mittelständlern kommt es nicht nur auf die nackten
Konditionen an — sondern stets auch auf die Chemie zwischen Banker und Unternehmer.
Berater, die auf eigene Erfahrungen außerhalb ihrer Branche zurückgreifen und hinweisen
können, haben da entschieden bessere Karten. Und karrieretechnisch macht dieses Know-how
ebenfalls Sinn – wenn es etwa darum geht, aus der Riege der Wettbewerber um eine bestimmte Position hervorzustechen.
Möglichkeiten, entsprechende Erfahrungen in anderen Wirtschaftsbereichen zu sammeln, gibt
es einige. Allerdings sollte der Lebenslauf dabei stets der eines Bankers bleiben – wer allzu
ausgedehnt fremdgeht, riskiert, in seiner Heimatbranche den Anschluss zu verlieren. Der
sicherste Weg ist, sich für ein zeitlich befristetes, projektgebundenes Engagement freistellen
zu lassen.
Spannend dürfte dieser Ansatz vor allem für gestandene Banker sein, die bereits
Führungserfahrung sammeln konnten. Denn sie sind geeignete Kandidaten für einen der
prosperierendsten Zweige des Personal-Business: das Interim Management. Hierbei gehen
Führungskräfte auf Zeit und mit einer klaren Aufgabenstellung in ein Unternehmen. Ist der
Auftrag erledigt, wird das Engagement beendet. Anders als Unternehmensberater übernehmen
sie dabei tatsächlich operative Verantwortung.
Und sie müssen häufig dort hingehen, wo es wehtut: Etwa ein Drittel der Interim Jobs sind Restrukturierungsaufgaben, bei denen es für alle Beteiligten besser ist, wenn die
Verantwortlichen am Ende das Haus wieder verlassen – mit einem schönen Erfolg für den
Lebenslauf, wertvollen Erfahrungen und einem dicken Scheck. Die Tagessätze bewegen sich
zwischen 750 und 3000 Euro.
Vermittelt werden die Manager auf Zeit von spezialisierten Agenturen. Ein guter Anlaufpunkt
für erste Informationen sind die Websites der beiden Branchenverbände, der
Bundesvereinigung Restrukturierung, Sanierung und Interim Management (www.brsi.de) und
der Dachgesellschaft Deutscher Interim Manager (www.ddim.de).
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