|
Zwei Monate nach Inkrafttreten des neuen Versicherungsvertragsnetzt herrscht in der Versicherungsbranche dicke Luft. Vor allem die freien Makler sind genervt.
Internetforen eine tolle Sache zum Frust loswerden.
Dieses Bedürfnis scheinen seit Anfang des Jahres viele Außendienstler der Versicherungsbranche zu haben. Im Internet machen sie sich Luft – und fast immer geht es dabei um das neue Versicherungsvertragsgesetz und dessen Folgen in der Praxis. Von einem „Bürokratiemonster ohne jeden Nutzeffekt“ ist da die Rede, von „Anträgen doppelt so dick“ wie früher und von Kunden, bei denen für den Ausdruck der Vertragsdokumente eine „komplette Tintenpatrone aufgebraucht“ wurde.
Weitgehend einig sind sich die Außendienstler auch in der Frage, was die neuen Informationspflichten für den Endverbraucher bringen: „Ob der Kunde die Unterlagen vor oder nach dem Abschluss nicht liest, ist irrelevant.“
Besonders miese Stimmung herrscht unter den unabhängigen Finanz- und Versicherungsmaklern. Was die freien Vermittler umtreibt, untersucht regelmäßig das „Makler-Absatzbarometer“ des Kölner Marktforschungsunternehmens psychonomics AG. Danach sieht nicht einmal jeder Dritte in der Neuregelung eine Chance für den Vertrieb und Aussendienst.
Versicherungsmakler verunsichert wegen den gesetzlichen Rahmen-bedingungen
Jeder sechste Versicherungsmakler schätzt diese sogar ausdrücklich als Gefahr für den Vertriebsprozess ein. Die Hauptkritikpunkte betreffen dabei den enormen Papierkrieg und das geänderte Haftungsrisiko, das die Einführung teurer Dokumentationssysteme oder die Flucht unter das Dach eines Maklerpools notwendig macht. Als schmerzhafter Dorn im Auge wird nach wie vor auch die Pflicht zur Offenlegung der Provisionen empfunden.
Eine der Ursachen für die ausgeprägte Skepsis und Unsicherheit ist allerdings hausgemacht: Nur 14 Prozent der unabhängigen Versicherungsmakler gaben zu Protokoll, sich im Vorfeld sehr gut auf das Gesetz vorbereitet zu haben. Ein katastrophaler Wert, der dazu führt, dass die Fortbildungsschwänzer nun on the fly und nicht selten auf die harte Tour nachholen müssen, was sie vorher aus Trotz oder Nachlässigkeit versäumten.
Und der Informationsbedarf ist noch immer groß – nicht zuletzt wegen der zahlreichen notwendigen Nachbesserungen des Versicherungsvertragsnetzt, die unter anderem so zentrale Bereiche wie die Kostenoffenlegung und die Belehrungspflicht betreffen.
Hier klicken und weitere Jobs und Berufsprofile im Finanzwesen und in der Finanzbranche finden
© Euro am Sonntag
|